Theologische Erwachsenenbildung im jüngeren Seniorenalter • Teil 2: BESCHREIBUNG PROJEKT
  Theologische Erwachsenenbildung
im jüngeren Seniorenalter
 
Theologische und geragogische Aspekte im Anschluss an das Projekt "Theologie für Interessierte"

Von Gunther Seibold

I Beschreibender Teil
In diesem ersten Hauptteil wird das Projekt ThI vorgestellt. Der Verfasser hat dieses Projekt dreimal als Vormittagsseminar durchgeführt. Das erste Mal (A) fand das Seminar 1998 in Remshalden-Grunbach statt, danach 1999 (B) und 2000 (C) zweimal in Urbach.
Die Beschreibung zeichnet den äußeren Verlauf nach und geht ein auf die Rückmeldungen der Teilnehmenden. Überlegungen des Veranstalters, die zum Projekt und zu Anpassungen und Veränderungen geführt haben, fließen in die Beschreibung ein. Nicht eingegangen werden kann auf Einzelheiten inhaltlicher, methodischer und persönlicher Art, die den Rahmen dieser am Konzeptionellen interessierten Arbeit sprengen würden.

A. Der erste Durchgang in Grunbach Januar/Februar 1998
1. Vorbereitung
Das Vormittagsseminar ThI ergab sich aus der Situation des Verfassers nach dem Abschluss des universitären Theologiestudiums. Gerontologische Studien in Heidelberg führten zu dem Gedanken, dass ein theologisches Seminar für die Zielgruppe der jüngeren Senioren eine Praxiserfahrung zu diesen Studien sein könnte.
Die theologische Idee war aus der Gelegenheit geboren, einmal frei und ohne kirchliches Amt Menschen fern einer theologischen Fakultät mit wissenschaftlicher Theologie bekannt machen zu können. Aus dritter Perspektive konnte so Gemeindegliedern eine Vorstellung davon angeboten werden, was ihre Pfarrer studiert haben. Die Begegnung mit wissenschaftlicher Theologie sollte interessierte Gemeindeglieder dabei unterstützen, den eigenen Horizont zu weiten und Raum für theologische Fragen zu schaffen. Der Gegenstand Theologie sollte bezaubern und gleichzeitig entzaubert werden. Wenn Laien Möglichkeiten und Grenzen der theologischen Diskussion verstünden, könnten sie ihren eigenen Gesprächsbeitrag selbstbewusster einbringen. Dieses Ideal von Mündigkeit der Laien in Fragen der Theologie wurde ein Leitbild für das Unternehmen.
Das am Ort so neue Angebot sollte außerdem Gemeindeglieder ansprechen können, die im üblichen Gemeindeleben nicht daheim sind. Bei dieser Veranstaltung konnte das ein interessiertes Bildungsbürgertum sein.
Hinsichtlich der pietistisch geprägten Kerngemeinde sollte dieses Angebot eine Möglichkeit dafür sein, Vorurteile gegenüber der wissenschaftlichen Theologie klären zu helfen. Ein mehrwöchiges Seminar mit der Möglichkeit zu eingehenderem Gespräch sollte dazu besondere Chancen bieten.
Zur theologischen kam die gerontologische Motivation. Der Veranstalter glaubte, mit dem Programm einer Begegnung mit universitärer Theologie die jüngeren Senioren besonders ansprechen zu können, weil sich dieses Angebot durch Niveau und Aktivitätspotential von der klassischen Altenarbeit unterscheiden würde. Es wurde davon ausgegangen, dass die jüngeren Senioren interessiert sind, weil viele in dieser Generation zwar durch Lebenswissen gebildet sind, aber nur wenige studiert haben. Das Projekt sollte ein Angebot sein, dass solche im Wissenslernen für heutige Verhältnisse zu kurz gekommene Menschen in ihren freien Jahren nach dem Berufsleben Bildungsinteressen nachholen können. Es sollte außerdem durch einen unverbindlichen und offenen Charakter und eine begrenzte Zeit attraktiv sein.
In der Ausschreibung wurde die Eingrenzung der Zielgruppe durch den Termin ("für Menschen mit Vormittagszeit") versucht. Damit wurde der viele jüngere Senioren abschreckende Altersbezug im Titel vermieden. Es wurde eingeladen zu 8 doppelstündigen Vormittagen im Wochenrhythmus. Geworben wurde durch Handzettel und die kirchlichen Mitteilungen.
Thematisch wurden, an der Ausbildung des Veranstalters orientiert, Einblicke in die wissenschaftliche Theologie angekündigt. Das Curriculum sollte Grundlagen für theologisches Denken behandeln und dabei Einblicke in die Fächer des theologischen Studiums geben. Attraktiv für die Einladung konnte aber auch der Aspekt einer Art Erlebnisbericht vom Theologiestudium sein.
Für solche, für die der Aspekt des mündigen Laien besondere Attraktion hat, kam noch der Versuch eines Mini-Griechisch-Kurses hinzu, der das Erschließen neutestamentlicher Wörterbücher mit Hilfe der entsprechenden Literatur zum Ziel hatte.
Die Teilnehmenden waren dann 25 Personen. Die meisten blieben bis zum Schluss der acht Wochen, so dass die Gruppe immer aus gut 20 Personen bestand. Die größte Teilgruppe bildete das hauptsächlich erwartete bildungsinteressierte Bürgertum im jüngeren Seniorenalter, darunter mehr oder weniger kirchlich Engagierte. Vier ältere Frauen kamen von auswärts durch die Vermittlung einer Verwandten des Referenten. Unter den auswärtigen Teilnehmerinnen waren solche, die auch regelmäßig bei der Seniorenhochschule Schwäbisch Gmünd theologische Themen belegten. Dazu kamen ein paar altersgleiche Besucherinnen aus der Kerngemeinde mit weniger Bildungsbiografie.
Die zweite große Gruppe bildeten - in diesem Umfang nicht erwartet - Frauen mit Kindern im Schulalter. Sie konnten als Hausfrauen die Vormittagszeit freimachen. Die meisten von ihnen besaßen die Hochschulreife. Auch von ihnen war nur ein Teil stark mit der Kerngemeinde bzw. der Person des veranstaltenden Referenten verbunden. Für den mit angebotenen Kurs "Mini-Griechisch" interessierten sich 7 Personen, vor allem aus der Gruppe der Hausfrauen.
Als Unkostenbeitrag wurde am Ende um eine Erstattung der Kopierkosten gebeten (ca. 10 DM). Die Teilnehmenden rundeten den Betrag gerne auf.

2. Durchführung
Das Vormittagsseminar fand freitagvormittags von 9.30 bis 11 Uhr im Gemeindehaus statt. Die Doppelstunden wurden von einer Pause unterbrochen. Die Teilnehmenden saßen im großen Rechteck an Tischen.
Methodisch war die Seminarform gewählt worden, d.h. ein Wechsel von freien Vortragsteilen, Lektüre und Gespräch. Im Interesse einer offenen theologischen Bildungsveranstaltung wurden keine gottesdienstlichen Elemente plaziert, also kein liturgischer Rahmen mit Liedern oder Gebet. Im Blick auf die frömmere, bei offener Diskussion öfter irritierte Teilnehmerschaft, entschloss sich der Veranstalter dann aber doch, die Vormittage jeweils mit einem zum Thema passenden geistlichen Theologenzitat abzuschließen.
Arbeitsmittel waren OHP-Folien und Arbeitsblätter. Dazu kam eine Bücherkiste zum jeweiligen Thema des Tages mit der Möglichkeit zur Ausleihe. Die Arbeitsblätter wurden jeweils in der vorangehenden Stunde zur Vorbereitung ausgegeben.
Es zeigte sich bald, dass die große Zahl der Teilnehmenden das Gespräch erschwerte und Beeinträchtigungen der Älteren beim Hören und Sehen den Vortrag belasteten. Deutlichere Artikulation und größerer Druck bei Printmedien wurden angemahnt. Auch dass der Referent als Vortragender Neuland betrat, wurde wahrgenommen - und erstaunt verstanden, als bei der Vorstellung des Universitätsstudiums erklärt wurde, dass dort keine praktische Ausbildung erfolgt.
Auch beim Niveau zeigte sich Abstimmungsbedarf. Die Voraussetzungen der Teilnehmenden waren sehr unterschiedlich, so dass etliche auch bei den Beiträgen der anderen Gesprächsteilnehmer Schwierigkeiten hatten zu folgen. Während die jüngeren Hausfrauen mit Abitur und teilweise Studium jederzeit folgen konnten, hatte die ältere Generation Probleme, vor allem solche ganz ohne weiterführenden Schulabschluss. Dies zeigte sich nicht nur in Fragen der Auffassungsgeschwindigkeit, sondern auch in Bezug auf das Allgemeinwissen.
Außerdem ließ sich die Vorstellung des Referenten, zunächst einmal erste Eindrücke von einer nicht allgemeinverständlichen Wissenschaft geben zu wollen, so nicht verwirklichen. Die Teilnehmenden wollten selbstverständlich über die Eindrücke vom Ganzen hinaus immer auch das Einzelne verstehen.
Im Verlauf des Seminars änderte sich daher einiges: Die Inhalte wurden vermindert, die methodische Vielfalt gesteigert und auf Anschaulichkeit geachtet. Biblische Umwelt und Kirchengeschichte wurden durch Dias illustriert. Zur systematischen Theologie schlüpfte der Referent theatralisch in die Rollen von vier profilierten Dogmatikern, was den größten Beifall hervorrief. Die Teilnehmenden wurden in die Planung des Verlaufs mit einbezogen.

3. Auswertung
Beim letzten Termin wurde Gelegenheit zum Auswertungsgespräch gegeben. Einige Teilnehmerinnen brachten dazu Kaffee und etwas Gebäck mit. Ein schriftlicher Auswertungsbogen wurde ausgegeben.
Die Teilnehmenden äußerten sich zufrieden und bereichert durch das Seminar. Am meisten Schwierigkeiten bereitete die Fülle der Themen und die Abstraktheit der vorgetragenen theologischen Gedanken. Die diesbezüglichen Anpassungen im Verlauf wurden registriert. Positive Rückmeldung erhielt das Angebot von Theologie überhaupt, die theologische Offenheit im Blick auf unterschiedliche Positionen, die Möglichkeit zum Gespräch und einzelne hervorgehobene methodische Teile. Je nach Frömmigkeitsprägung wurde das theologische Problematisieren unterschiedlich aufgenommen. Die Frage nach einer möglichen Fortsetzung wurde positiv beantwortet. Die zeitliche Inanspruchnahme sollte dann aber geringer sein. Außerdem wurden konkrete Themen gewünscht, die von Interesse seien.
Die Auswertungsbögen wurden von 16 Personen zurückgegeben. Sie waren alle wohlwollend ausgefüllt und entsprachen den Rückmeldungen im Gespräch.
Der Verfasser bot den Teilnehmenden schließlich noch eine Exkursion nach Tübingen an, sobald dort das neue Semester angefangen hatte. Mit einer Gruppe von 10 begeisterten Personen, fast alle im Seniorenalter, wurden theologische Vorlesungen besucht, zu Mittag gegessen, Universität und Stift besichtigt sowie Stocherkahn gefahren.

B. Zweite Veranstaltung in Urbach März 1999
1. Vorbereitung
Die bleibende Aktualität des theologischen und gerontologischen Anliegens und der Wille des Verfassers, aus gemachten Erfahrungen zu lernen und sie weiterzuentwickeln, führten zu dem Vorhaben, auch im Vikariat in Urbach ein Seminar ThI durchzuführen.
Zielgruppe und Tageszeit des Seminars sollten gleich bleiben. Die Inhalte und Methoden aber wurden völlig neu konzipiert beziehungsweise modifiziert. Das Motiv, einen Durchgang durch Universitätstheologie anzubieten, wirkte in der inneren Struktur noch fort, trat aber nach außen zurück. Statt dessen wurde mit dem Thema "Die christliche Taufe" ein inhaltlicher Schwerpunkt gewählt, für den verschiedene Gründe sprachen: Die Taufe ist sowohl in der eigenen Biografie wie im Gemeindeleben ein Thema der Lebenswelt. Durch wiedertaufende Freikirchen ist sie ein Thema theologischer Diskussion vor Ort. Schließlich erlaubt das Thema Taufe alle theologischen Fächer und Methoden zu berühren von den biblischen Grundlagen bis in die praktische Theologie. Der Titel "ThI" trat in den Hintergrund und wurde jetzt zum Markenzeichen für die Veranstaltungsart.
Die zeitliche Inanspruchnahme wurde reduziert auf 5 Vormittage. Die Zahl der Treffen sollte aber groß genug für ein Zusammenwachsen der Gruppe bleiben.
Die Werbung erfolgte durch Handzettel, kirchliche Mitteilungen, das Heft des Kreisbildungswerkes und eine Meldung in der Tageszeitung. Schließlich erreichte das Seminar 10 Personen, bis auf eine alle im jüngeren Seniorenalter und (vermutlich) ohne Abitur. Von den 10 Personen kamen 5 aus dem ersten Seminar in Grunbach (darunter v.a. die Schorndorfer Gruppe). Aus der Ortsgemeinde konnten also nur wenige interessiert werden und auch davon waren die meisten Zugezogene.
Gründe dafür konnte man auf mehreren Ebenen sehen: Der Referent war neu am Ort und den meisten nicht persönlich bekannt. In der Kirchengemeinde gab es bisher über feste Kreise hinaus keine Erwachsenenbildung. Die Kerngemeinde ist, auch innerhalb der Seniorengeneration, nicht sehr progressiv und überaltert. Die einheimische ältere Bevölkerung hat kaum Bezug zum Bildungsbürgertum. Schließlich gibt es am Ort eine vorbildliche kommunale Seniorenarbeit mit einem vielfältigen Angebot.

2. Durchführung
Die Treffen fanden je nach Programm in zwei unterschiedlich großen benachbarten Räumen im Gemeindehaus statt. Die Gruppengröße mit ca. 10 Personen bot im Unterschied zum früheren Seminar bessere Möglichkeiten zum Gespräch bei Beteiligungsmöglichkeiten für alle.
Neben der inhaltlichen Konzentration durch das eine Thema ergaben sich auch intensivere methodische Möglichkeiten. Dabei konnte der Veranstalter erste Versuche machen, Ansätze aus der Vikariatsausbildung und geragogischer Literatur praktisch zu erproben.
Am meisten Zeit erhielt das Gespräch. Es bezog sich auf theologische Impulse oder forderte zur theologischen Stellungnahme heraus. Die Teilnehmenden brachten eigene Beiträge aus eigenen Problemstellungen ein. Besonders gewichtig wurden die erzählten Tauferlebnisse. Die Inhalte wurden nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitet, z.B. die biblischen Texte gemeinsam gelesen und erforscht.
Die Sinne wurden mehrfach einbezogen. Zunächst durch einen kunstgeschichtlichen Blick in Baptisterien und frühe christliche Taufdarstellungen. Szenisch nachgestellt wurden Kontext und Vollzug der Taufe in der Alten Kirche. Die gegenwärtige liturgische Praxis wurde am Taufstein in der Kirche nachvollzogen. Nach wie vor die größte Herausforderung war es, die theologischen Quellentexte für die Teilnehmenden lebendig werden zu lassen. Sie wurden am interessantesten, wenn ihre Besprechung in aktuelle Diskussionslagen mündete (z.B. bei der Tauflehre Karl Barths).
Den Abschluss des Seminars bildete eine aus dem Thema hervorgegangene, nach Absprache mit den Teilnehmenden eingeplante Tauferinnerungsfeier im Chor der Kirche. Damit wurde die theologische Bildungsveranstaltung in Richtung spirituell-religiöser Dimensionen ausgeweitet. In der kleineren Gruppe konnte beobachtet werden, wie aus anfänglichem Abtasten allmählich ein Gruppenbewusstsein wuchs, das in der gemeinsamen Feier dann Ausdruck finden konnte.

3. Auswertung
In Rückmeldungen wurde geäußert, dass das Vormittagsseminar neue Einblicke in ein bisher alltäglich hingenommenes Thema erbracht hatte. Interesse für weiteres Nachfragen wurde geweckt und manche Teilnehmerin meldete später noch zurück, dass sie wieder für theologische Literatur interessiert worden sei. Die Gruppengröße wurde positiv erlebt, weil sie für das Gespräch einen guten Rahmen bot. Besonders intensiv erlebten die Teilnehmenden die Tauferinnerungsfeier.
Die zeitliche Inanspruchnahme durch 5 Vormittage wurde immer noch als hoch erlebt, obwohl gleichzeitig das Gefühl vorherrschte, noch zu wenig Zeit für das Thema gehabt zu haben. Interesse an einem weiteren Seminar zu gegebener Zeit wurde geäußert. Vorgeschlagen wurde auch, dieses Taufthema nicht vormittags zu behandeln, damit betroffene Eltern ein entsprechendes Angebot wahrnehmen könnten. Angesprochen auf Vorschläge für ein weiteres Seminar äußerten ein paar Teilnehmerinnen die Dreieinigkeit als Wunschthema. Der schriftliche Rückmeldebogen wurde nur von 5 Teilnehmern abgegeben.

C. Dritte Veranstaltung in Urbach März 2000
1. Vorbereitung
Wieder nach einem Jahr wurde ThI erneut angeboten. Dabei sollten wieder einige Neuerungen ausprobiert werden. Auch wurde in einem Gespräch mit der Leiterin der örtlichen Volkshochschule erwogen, das Projekt dort anzusiedeln. Das kam nicht zum Zug, weil die Volkshochschule mehr Schwierigkeiten sah als Vorteile, vor allem da die Veranstalterin Kirchengemeinde unkompliziertere räumliche Möglichkeiten habe.
Diesmal sollte das Seminar didaktisch noch subjektbezogener gestaltet werden und auf die schwierigen theologischen Quellentexte weitgehend verzichtet werden. Außerdem sollte das Seminar aus terminlichen Gründen auf 3 Vormittage verkürzt stattfinden. Ganz neu war, dass das Seminar diesmal im Kontext einer Vortragsreihe verortet wurde, sozusagen als Vertiefungsveranstaltung am Vormittag. Damit sollte ausprobiert werden, welche Veranstaltungserfahrungen sich mit der für den Ort neuen Form von Vortragsveranstaltungen für alle Interessierten machen ließen und wie sich das mit der Intensivform am Vormittag verbinden ließe. Ein weiteren interessanten Aspekt konnten die Vortragsabende erbringen zur Frage, ob bei ausgewiesenen Fachreferenten von auswärts die Gemeinde mehr Interesse an der Erwachsenenbildung zeigen würde.
Herausfordernd war die Abwägung bei der Themenfindung: Sollte das beim letzten Mal vorgeschlagene Thema »Dreieinigkeit Gottes« in Betracht kommen? Dagegen sprach, dass der Lebensweltbezug dieses Themas nicht unmittelbar naheliegt. Ein solches Thema, gar noch eine dogmatische Lehrformel, entsprach nicht gerade den pädagogischen Kriterien der modernen Geragogik und religiösen Erwachsenenbildung.
Für dieses Thema sprach, dass der Veranstalter sich bei diesem Thema wieder mit Fachwissen einbringen konnte. Hätten die älteren Frauen den jungen Mann überhaupt für ein persönlich nahegehendes Thema akzeptiert? Die Erfahrungen mit der Gruppe waren bisher, dass gerne von früher erzählt wurde. Dagegen verhielt sich diese Generation, so die Erfahrungen in anderen Begegnungen, reserviert bei Möglichkeiten, gegenwärtige Krisen zum Thema zu machen. Schließlich war nicht unwichtig, dass schon ein fester Kern von Interessierten da war, die sich zum Thema Dreieinigkeit einfinden würden. So wurde doch »Die Dreieinigkeit Gottes im Gespräch« zum Thema von ThI 2000.
Für die hier nicht zu besprechenden Vortragsabende wurde versucht, sie vom Inhalt Dreieinigkeit her für einen weiteren Kreis interessant zu gestalten. Ihr Thema war neben einem theologischen Einführungsvortrag der Dialog mit anderen Gottesbildern im gesellschaftlich-religiösen Umfeld. Dafür wurden kompetente Referenten gewonnen.
Die Abendvorträge fanden im 14-tägigen Rhythmus statt und interessierten 30 bis 55 Personen. Die meisten waren Menschen aus dem Bereich um die Ruhestandsgrenze, aber auch jüngere und ältere hörten und diskutierten mit. Wieder kamen kaum Gemeindeglieder aus der örtlichen Kirchengemeinde.
Damit zeigten die Vortragsabende, dass das Teilnehmerpotential bei der Ortsgemeinde für die Seminarvormittage nicht größer sein würde. Es nahmen dann 8 Personen teil. Der größere Teil davon war schon beim vorigen Mal dabei. Aus Altersgründen nahmen ein paar Frauen nicht mehr teil, dafür kam von Auswärtigen eine Anmeldung über die Zeitung und eine über persönlichen Kontakt. Vom Ort stieß ein Ruhestandspfarrer dazu und mit ihm ein zweiter Theologe neben dem Veranstalter. Einige Seminarbesucher waren nicht Vortragsbesucher.

2. Durchführung
Das Vormittagsseminar besaß jetzt mit 8 Personen eine noch idealere Größe für eine Diskussion, bei der jede und jeder zu Wort kommen konnte. So bestimmte das Gespräch auch methodisch die Durchführung. Vortragsteile waren sehr zurückgenommen und theologische Texte wurden bis auf ein biblisches Übersichtsblatt und eine Bekenntniskopie keine ausgehändigt. Die Gesprächsleitung ließ immer wieder Raum für Fragen in der Gruppe. Beispielsweise gerieten vom Athanasianum her soteriologische Fragen in eine kontroverse Diskussion.
Biografische Anknüpfungen konnten durch Raum für das Erzählen und Fragen eingebracht werden. Als Gesprächsöffner dienten Musik sowie Symbole und Bilder, die als gestaltete Mitte aufgebaut waren. Man suchte gemeinsam nach trinitarischen Anklängen in der Gegenwart und fand sie vor allem in der Liturgie und Musikgeschichte. Berührungen mit den drei unterschiedlichen trinitarischen Seinsweisen Gottes im eigenen Leben wurden mit Hilfe der Zuordnung von Klebepunkten an einen Lebenslauf diskutiert. Die historische Entstehung des trinitarischen Dogmas wurde dadurch erschlossen, dass die Teilnehmenden sich mit den häretischen Positionen auseinandersetzten, in deren Rolle der Referent schlüpfte. Eine geplante Anwendung musste aus Zeitgründen entfallen. Dabei war an ein gemeinsam erstelltes trinitarisches Gebet gedacht.
Den Schluss des Seminars bildete diesmal ein Auswertungsgespräch bei einer »Trinitatis-Brezel«, die frisch gebacken wurde.

3. Auswertung
Die Teilnehmenden waren sehr interessiert und motiviert. Gerade die vermutete Alltagsferne des Themas sorgte für einen positiven Effekt, weil alle einschließlich des Referenten die Erfahrung gemacht hatten, dass die Beschäftigung mit der Dreieinigkeit wider Erwarten doch mehr Relevanz besaß für den eigenen Glauben und die Kirche als gedacht.
Etliche äußerten auch, dass ihnen der offene Diskussionsraum gefallen habe, in dem unterschiedliche Meinungen stehen bleiben konnten. Der Moderator habe verstanden, die unterschiedlichen Ansätze beieinander zu halten und auch immer wieder mit dem Thema zu verbinden. Das war auch deshalb besonders wichtig gewesen, weil die Teilnehmenden eine große Spannbreite repräsentierten vom wortklauberischen Biblizismus eines auswärtigen Einzelgängers, der bisher ohne Kontakt zu einer Gemeinde war, über große Kirchenverbundenheit bis hin zum theologisch negativ gefärbten Denken einer Teilnehmerin. Mit Aufatmen habe man reagiert auf die Einsicht, dass man im Christentum nicht einfach eine Lehre glauben müsse, sondern Glaube ein Geschenk sei.
Im Auswertungsgespräch wurde das inhaltliche Niveau dieses Mal nicht problematisiert. Auf den schriftlichen Bogen wurde angesichts der Kürze der Veranstaltung insgesamt verzichtet. Generelles Interesse an einer Fortsetzung ist vorhanden, wurde aber nicht diskutiert, weil das Vikariat des Referenten im nächsten Jahr schon vorbei sein wird.
 
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Teil 3: FRAGESTELLUNGEN FÜR DIE ANALYSE

Teil 1: Einleitung
Teil 4: Theologische Analyse
Teil 5: Geragogische Analyse
Teil 6: Schluss
Teil 9: Literaturverzeichnis
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Stand: 20.06.2000