(Arbeitspapier zu einem Studientag für ehrenamtliche Seniorenberater/innen 3/2002)

Beraten und Helfen zum Glaubensleben im Altern

Die Ausübung des Glaubens muss auch für alte Menschen frei sein. Sie dürfen nicht zur Religion gezwungen werden. Allerdings dürfen Sie auch nicht behindert werden bei der Ausübung ihres Glaubens. Dazu bedarf es vor allem in Pflegesituationen der Einrichtung von persönlichen Schutzräumen. Weil ältere Menschen oft nicht mehr selbst für diese Belange sorgen können, müssen beratende und helfende Menschen sie gegebenenfalls unterstützen:

Helfen Sie, wo die Lesefähigkeit nachlässt, mit Großdruckausgaben von Bibel und Gesangbuch. Auch viel andere geistliche Literatur gibt es im Großdruck. Inzwischen liegen auch Bibel und andere Literatur auf Tonträgern vor. Selbstverständlich können Sie vorlesen. Radio und Fernsehen können Sie für Sendungen geistlichen Inhalts einstellen, z.B. Fernsehgottesdienste oder Sendungen des christlichen Radios. Es gibt auch Geräte mit vereinfachter Bedienung. In vielen Gemeinden werden Gottesdienste auf Kassetten aufgenommen und (teilweise mit Leihgeräten) angeboten.
Vertrautes und Tröstliches kann in geistlichen Liedern bei Menschen wachgerufen werden. Sie können gelesen, gesungen oder von Tonträgern gehört werden.
Helfen Sie mit, wenn Menschen ihr Zimmer mit einem Kreuz, Bild oder Spruchkarten ausstatten möchten. Sorgen Sie dafür, dass bei einem entsprechenden Bedürfnis für die persönliche Andacht im Tagesablauf zeitlich und räumlich ein Freiraum besteht. Zeitweiliges Alleinsein soll auch im Doppelzimmer ermöglicht werden.
Begleiten Sie Menschen zu Gottesdiensten oder andern Veranstaltungen. Bieten oder vermitteln Sie Fahrdienste.
Nutzen Sie offene Kirchen für einen Besuch beim Stadtspaziergang. Im Grünen können Kreuze oder Kapellen am Wege zum Innehalten einladen. Helfen Sie dabei, Gräber von Angehörigen zu besuchen. Aber auch der Besuch eines Friedhofes ohne persönlichen Bezug kann in friedvolles Meditieren führen.
Vermeiden Sie es, religiösen Themen auszuweichen. Auch wenn Sie nicht oder anders glauben, tut es Menschen gut, sich aussprechen zu können. Bestärken Sie Menschen in ihrem Glauben, wenn er ihnen gut tut. Vermeiden Sie aber auch, problematische Glaubenskonstrukte zu verstärken. Stehen Sie gegebenenfalls dazu, dass Sie Dinge anders sehen.
Weichen Sie nicht aus, wenn Menschen über den Tod und das Sterben zu reden bereit sind. Versuchen Sie, angstfrei über die Möglichkeit eines nahen Todes zu sprechen. Das offene Gespräch wirkt meistens befreiend, auch bei der Todesangst.
Bringen Sie ihre eigene Hoffnung und Liebe aus dem Glauben ins Gespräch, wenn sie gefragt werden und wenn Sie das Bedürfnis in sich dazu spüren. Menschen dürfen nicht zu Glaubensthemen gezwungen werden, aber es soll ihnen auch nicht vorenthalten werden, was auch ihr Leben tragen kann.
Wenn Sie über geistliche Themen reden oder als Christ/innen gemeinsam persönliche Probleme besprechen, scheuen Sie sich nicht, auch gemeinsam zu beten. Das kann eine gemeinsame Stille, ein Vaterunser, ein Psalm, ein neueres oder ein freies Gebet sein. Solche Formen sind nicht allein der Pfarrerin/dem Pfarrer vorbehalten.
Sorgen Sie dafür, dass - wenn noch nicht geschehen - ein wenigstens einmaliger Kontakt zum zuständigen Seelsorger/zur zuständigen Seelsorgerin stattfindet.

Zurück zur vorigen Seite